Schwarz auf Weiß – Sebastian Warnke | Foto-Blog https://blog.sebwarnke.de Thu, 09 Nov 2017 18:10:42 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.8.5 54848571 Indonesien – ein Reisetagebuch https://blog.sebwarnke.de/indonesien-ein-reisetagebuch/ https://blog.sebwarnke.de/indonesien-ein-reisetagebuch/#comments Sun, 18 Sep 2016 01:13:25 +0000 https://blog.sebwarnke.de/?p=1539 Die Anreise

Sonntag, 18. September 2016

Guten Morgen, Jakarta!

Im Airportshuttle
Im Airportshuttle

Nach einer sehr kurzen Nacht stehen wir müde aber voller Tatendrang im Hotel am Flughafen Jakarta auf und genießen unser erstes Frühstück in Indonesien. Es gibt Nasi Goreng und lauter andere leckere indonesische Gerichte. Hier isst man wohl warmes Frühstück.

Nach dem Essen werden wir vom hoteleigenen Airport-Shuttle zurück zum Flughafen gebracht. Die Straßen sind laut und voller Motorroller. Gefahren wird auf der linken Seite. Aber letztlich fährt jeder wie er will. Willkommen in Südostasien.

Am Flughafen durchlaufen wir die Sicherheitskontrollen und warten letztlich eine knappe Stunde aufs Boarding. Wir fliegen mit LionAir, eine Fluggesellschaft, deren Reputation auf Wikipedia eher fragwürdig ist. No risk no fun. Dennoch verläuft der Flug angenehm ruhig und der Pilot trifft die Landebahn des Flughafens von Lombok.

Von Lombok nach Gili Air

Am Ausgang des Flughafens erwartet uns schon ein Fahrer der Tauschschule, um uns quer über die Insel zum Hafen zu fahren, von wo aus wir später auf Gili Air übersetzen werden. Hier auf Lombok ist der Verkehr etwas entspannter und die Straßen übersichtlicher. Dennoch scheint eine Hauptregel auf den Straßen zu gelten: Alles anhupen, was nicht schnell genug ist, vor dem eigenen Fahrzeug zu flüchten.

Im Hafen werden wir sofort aufgesammelt und auf einem Schiff, was sonst Taucher zu ihren Spots bringt, nach Gili Air gebracht. Gili Air ist klein und autofrei. Und so hören wir zum ersten Mal seit über 48 Stunden nix außer Gespräche der Touristen und Einwohner auf der Insel und die Musik aus den vielen kleinen Lokalen, die um die Gunst der Touristen buhlen.

Unsere Unterkunft ist ein niedlicher Bungalow mit Open-Air-Toilette. Abends gehen wir essen und beobachten einen schnell verlaufenden Sonnenuntergang. 18:30 herrscht Dunkelheit. Wieder daheim verankere ich das Moskitonetz mit zwei cleveren Seemannsknoten an der Decke. Das wird uns hoffentlich eine ruhige erste Nacht am wirklichen Ziel #1 unserer Indonesienreise ermöglichen.

Gili Air

Montag, 19.09.2016

Heute klingelt kein Wecker. Wir schlafen aus, bis es nicht mehr geht. Immerhin bis 9:30 hält es uns im Bett. Lê verlegt ihren Liegeplatz zunächst in die Hängematte bis das Frühstück direkt auf unserer Veranda serviert wird. Es gibt Pancake, Omelett, Obstsalat und frischgepresste Säfte. Im Anschluss packen wir unsere Badesachen und radeln mit den Fahrrädern unserer Unterkunft an den Strand.

Hier gibt es jede Menge Strandbars, die mit Sitzkissen, Strandkörben und kleinen, Pfahlbauten ähnelnden Sitzgelegenheiten die Blicke auf sich ziehen. Auch hier gibt es Säfte, Cocktails und Essen. Wir suchen die Bar aus, welche an der Westspitze von Gili Air liegt. Gott sei Dank ist gerade ein kleiner Sitzpfahlbau freigeworden. Während wir hier an unseren Kokosnüssen schlürfen und später deren Fleisch essen, genießen wir die Wärme und das Rauschen des Meeres.

Unser Rückweg kurz vor Sonnenuntergang führt uns erst noch etwas weiter Richtung Norden. Leider besteht der Uferweg größtenteils aus losem Sand. Fahrradfahren ist kaum möglich. Wir ändern unseren Plan den nördlichsten Punkt der Insel zu erreichen und biegen in eine besser befestigte Straße ab. Sie führt uns ins Village. Hier leben doch noch einige Inselbewohner*innen in zweiter Reihe hinter den Touri-Homestays und Bars. Man hört, Gili Air sei die Insel mit der größten Anzahl an einheimischen Bewohner*innen.

Die Straße ist schmal und wir werden von Pferdekutschen, den cidomos, überholt. Kinder spielen in einfachen Gärten. Ihre Eltern wässern die Straße um das Aufwirbeln von Staub zu verhindern. Viele neue Häuser befinden sich im Bau. Der Tourismus rückt in die zweite Reihe nach. Bald wird es hier vielleicht kaum noch Strukturen geben, die nicht vom Geld Urlauber*innen finanziert wurden.

Dienstag, 20.09.2016

Heute heißt es wieder früh aufzustehen, denn Tauchkurs steht auf dem Plan. Bereits 8:00 sollen wir vor Ort sein. Ein Graus. Aber wir sind das frühe Erwachen fast schon gewohnt. An der Tauchschule wartet Tati, unsere Tauchlehrerin, und gibt anschließend eine kurze Einführung in die Tauchpraxis. Nachdem wir mit den Grundtauchübungen im Pool fertig sind, geht es direkt aufs Meer. Dort tauchen wir eine Stunde gemeinsam mit Tati, die uns Schildkröten und kunterbunte Fische zeigt.

Dann ist Mittagspause und wir relaxen bei Kokosnuss und ohla-ohla bzw. Kürbissuppe. Der Nachmittag ist unspektakulärer. Uns werden technische Details der Tauchausrüstung erläutert und weitere Tauchübungen im Pool geprobt. Am frühen Abend, 16:30, ist der Kurs vorbei und wir waschen uns das Salz von den Körpern. Lê zieht es vor in der Hängematte zu bleiben, während ich noch eine kleine Runde durchs Village drehe. Zufällig treffe ich genau zur (hier sehr kurzen) blauen Stunde am Strand ein. Hier ein paar Impressionen meines Abendspaziergangs.

Mittwoch, 21.09.2016

Wir dürfen heute wieder etwas länger schlafen als gestern, denn morgens steht kein Tauchgang und keine technische Einführung an. Stattdessen schlendern wir kurz nach 9 Uhr gemütlich zur Tauchschule und schauen uns vier Folgen des Open Water Diver Trainingsvideos an. Das kostet uns 2 Stunden und mindestens 2 Liter Schweiß pro Person, denn der Fernsehraum ist unklimatisiert und die Temperaturen zwischen 10 und 12 schon über 30 Grad.

Zur Mittagspause kehren wir in eine Strandbar ein, die wir bereits am Vortag besucht haben. Ich esse (wie am Vortag) olah-olah, Lê isst gado-gado. Beides sind laut der ausliegenden Karten indonesische Speisen. Olah-Olah ist eine in Kokosmilch angerichtete Gemüsepfanne mit Wasserspinat gereicht mit Reis. Gado-Gado ist Tofu mit Erdnusssoße, ebenfalls Wasserspinat und Reis.

Am Nachmittag geht es wieder zur Tauchschule. Hier bauen wir, wie am Vortag gelernt, unsere Ausrüstung zusammen, machen die Sicherheitschecks und gehen an Bord des Tauchboots. Heute werden wir am sogenannten Frog Fish Point tauchen. Am Tauchplatz angekommen, geht es schnell ins Wasser. Mein freier Abstieg klappt mäßig und ich trete fast einem anderen Taucher auf den Kopf. Endlich am Meeresboden geht dann unsere Erkundungstour los. Alles in allem ist der Spot heute weitaus weniger spektakulär als gestern. Weniger Korallen, mehr flache Sandbänke. Fische und Schildkröten sind aber wieder am Start.

Nach dem Tauchen spazieren wir Richtung Norden und verbringen einige Zeit in einer Strandbar und lassen unsere Seelen baumeln.

Als wir nach Einbruch der Dunkelheit zu Hause sind, diskutieren wir, ob wir den kulinarischen Lebensstil — fettes Frühstück, fettes Mittagessen, fettes Abendessen — beibehalten sollten. Der Snackhunger treibt uns letztlich doch noch einmal in die Gassen und da kein Stand mit indonesischen Snacks mehr zu finden ist, landen wir in jenem Lokal, wo wir gestern zu Abend aßen.

Viel Text, keine Fotos, bis auf den Tauchgang ein sehr relaxter Tag. Aber auch das gehört dokumentiert.

Donnerstag, 22.09.2016

Tauchen am Morgen, Tauch-Theorie pauken über den Mittag, Theorie für Erlangung der Open Water Diver Lizenz bestanden.

Da heute unsere letzte Nacht auf Gili Air ist, packen wir fleißig unsere Backpacks. Morgen setzen wir für einen Tag und eine Nacht zur Nachbarinsel Gili Meno über. Dort soll es etwas weniger touristisch und ruhiger sein. Wir wollen nach Schildkröten schnorcheln und vor unserem letzten obligatorischen Tauchgang am Samstag noch einmal ordentlich Strand und Meer genießen.

Ein Tag im Paradies, Gili Meno

Freitag, 23.08.2016

Am frühen Morgen begeben wir uns zum Hafen von Gili Air. Uns erwartet schon ein lange Schlange von Backpackern. Sie alle warten auf die Fähre, welche auch wir nehmen möchten. Viele von ihnen sehen allerdings aus, als wollten sie nicht beim ersten Hafen, den die Fähre anläuft, Gili Meno, an Land gehen, sondern weiterfahren nach Gili Trawangan, die Partyinsel der drei Gilis nordwestlich von Lombok.

Das Fähre ist entsprechend gefüllt und wir sind froh, dass unser Gepäck sicher in Griffweite stehen kann. Nach etwa zwanzigminütiger Fahrt laufen wir im Hafen von Gili Meno ein. Uns fällt sofort auf, dass es hier wirklich weitaus ruhiger ist als auf Gili Air. Es gibt kaum Touristengewerbe. Die wenigen Stände beschränken sich auf den Verleih von Schnorchelequipment oder verkaufen Schmuck. Ab und an taucht ein warung (indonesisch für Gaststätte) auf. Auch die bekannten Homestays und Bungalows gibt es hier. Wenn auch in viel kleinerer Zahl.

Wir haben in der vorherigen Nacht unsere Unterkunft gebucht. Sie liegt im Osten der Insel. Nach einem kleinen Fußmarsch gelangen wir an eine wundervoll grün angelegte Bungalowsiedlung mit direktem Zugang zum Meer. Unsere Unterkunft ist ein erhöht stehender spitz bedachter Bungalow mit kleiner Terrasse. Die Wände sind aus geflochtenem Holz und am oberen Ende der Wände ist eine Lücke bevor das Dach beginnt. All das sorgt für angenehme Belüftung, denn eine Klimaanlage haben wir diesmal nicht.

Unser Strand mündet in einen Schnorchelspot, der für seine vielen Schildkröten bekannt ist. Wir leihen uns also Schnorchelsets und stürzen uns ins Meer. Während des Schnorchelns vergeht die Zeit wie im Fluge. Wir sehen viele bunte Fische. Einige sollten wir aus unseren Tauchgängen wieder erkennen, die Namen sind jedoch entfallen. Ganz zum Schluss treffen wir dann doch noch eine Schildkröte. Ich schaffe es ein Unterwasservideo zu drehen, was ich in Kürze bei besserer Internetverbindung versuchen werde hier einzubinden.

An Land müssen wir feststellen, dass wir uns stellenweise ziemlich heftig verbrannt haben. Endlich ist er da, der erste Südseesonnenbrand…

Den Nachmittag verbringen wir mit der Planung der nächsten Tage. Morgen Abend steht nach dem Tauchen schließlich die Rückkehr nach Lombok an, wo wir uns Richtung Mt. Rinjani aufmachen werden. Dazu in den nächsten Tagen mehr.

Da wir nur eine Nacht hier auf Meno haben, nutzen wir den Abend wieder für einen Strandspaziergang, auf dem uns bei jeden Schritt mehr bewusst wird, dass diese Insel dem Paradies sehr ähnlich sein muss. Hunderte Meter menschenleerer Strand, azurblaues, ruhiges Wasser und ein Sonnenuntergang, der einem*einer den Atem zu rauben vermag.

Gili Air

24. September 2016

Wir sind gestrandet… und zwar wieder auf Gili Air. Der Grund dafür ist die zumindest unter Tauchern bekannte Dekompressions- oder Taucherkrankheit. Sie tritt auf, wenn man sich nach Tauchgängen zu schnell auf Höhen begibt, die mehrere hundert Meter über dem Wasserspiegel des betauchten Gewässers liegen.

Zwar hat keiner von uns die Taucherkrankheit, aber um eben genau diese zu vermeiden, müssen wir noch eine Nacht auf Meeresniveau verbringen. Also suchen wir uns nach unserem letzten Tauchgang mit unserer Lehrerin eine Unterkunft. Zunächst besichtigen wir zwei Bambusbungalows, deren baulicher und hygienischer Zustand derart zu wünschen übrig lässt, dass wir rückwärts wieder vor die Tür treten. Schließlich laufen wir wieder in Richtung unserer vorherigen Unterkunft auf der Insel. Diese ist zwar ausgebucht, jedoch hat ein Nachbar noch ein Zimmer frei. Der Zustand ist wie schon auf Gili Air gewohnt, schlicht aber durchaus gemütlich. Zu Abend essen wir zum dritten Mal diesen Urlaub (der Sachse mags konstant) im eazy gili waroeng um die Ecke. Das Essen hier ist einfach zu gut, um wahr zu sein. Gern werden wir uns auch an den sehr freundlichen und umgänglichen Kellner Ian erinnern.

Senaru

25. September 2016

Der Vortag des Aufstiegs zum Rinjani

Wir stehen 7:45 am Hafen von Gili Air. Hier sticht die Fähre nach Bangsal auf Lombok in See, sobald sich 40 Passagiere registriert haben. Wir sind an den Stellen 6 und 7, sodass die Zeit noch reicht, um ein Frühstück für unterwegs zu kaufen. Kurz nach 8:00 sind dann tatsächlich alle Plätze vergeben und wir werden zur Fähre geschickt. Auch dieses Boot ist wie bereits bei den letzten Fährfahrten eher ein alter Kahn als eine Fähre im europäischen Sinne.

Nach 20-minütiger Fahrt legen wir am Ufer von Bangsal an. Da wir und schon am Abend zuvor um die Abholung am Hafen gekümmert hatten, ist nach kurzer Wartezeit unser Fahrer da… Besser gesagt, der Mittelsmann zwischen unserem Ansprechpartner und dem Fahrer ist da. Es dauert glücklicherweise nicht sehr lang, bis auch der Fahrer auftaucht. Der Mittelsmann bittet beim Verladen unseres Gepäcks etwas zu direkt um Trinkgeld und verspielt sich damit eben diese Chance.

Das Auto ist ein Datsun. Von außen ganz schick, innen eher Plaste. Besonders die Gurte im Fond des Wagens, welche bestenfalls als gut gemeint zu bewerten sind, werden mich wohl auf ewig davon abhalten, mir ein Auto dieser Marke zu kaufen. Die bahnbrechende Erfindung des Gurtstraffers ist nämlich bisher nicht bis in den hinteren Fahrzeugteil durchgedrungen und so stellen wir unsere optimale Gurtlänge mittels einer Plasteschnalle ein. Letztendlich funktioniert dann mein Gurthalter nicht und ich muss unangeschnallt bleiben.

Auf der Fahrt versuche ich mich so gut es geht mit dem Beobachten der Landschaft vom Umstand abzulenken, dass unser Fahrer nicht der begnadetste seiner Zunft auf indonesischen Straßen ist. Schlussendlich kommen wir dann doch dem Spiegel eines parkenden Autos zu nah und der Spiegel unseres Autos fliegt in hohem Bogen davon.

Mit einem Lächeln im Gesicht stößt unser Fahrer einen Fluch aus und geht seinen Spiegel suchen. Die Reparatur ist dank Klicktechnik bei Datsun schnell erledigt und die restliche Fahrt verläuft vergleichsweise ruhig. Wir passieren viele kleine Städte, riesige Reisfelder und irgendwann geht es dann in Richtung der Berge hinauf. In jeder Stadt befinden sich neben Marktständen, die Dinge für den täglichen Bedarf bereithalten, Stände, die Benzin anbieten. Tankstellen gibt es hier auf Lombok nur sehr selten. Der Treibstoff wird stattdessen in verkorkten Wein- oder Rumflaschen angeboten und direkt in den Tank gefüllt.

Unsere Unterkunft befindet sich für diese eine Nacht in Senaru am Fuße des Gunung Rinjani auf 600 Metern Höhe. Wir sind umringt von Reisfeldern und Urwald. Die Menschen, die hier leben, gehören dem Volk der Sasak an und leben eine Kultur, die sich vom Islam auf dem Rest der Insel Lombok unterscheidet.

Eine ihrer Traditionen können wir am frühen Abend miterleben: den Stockkampf. Dabei traktieren sich zwei mit Stock und Schild bewaffnete Gegner mit schnellen, harten Schlägen. Gekämpft wird in einer improvisierten, mit Zäunen und Sichtschutz begrenzten Arena. Den Eintrittspreis von 10.000 IDR (ca. 0,70 €) zahlen wir erst im zweiten Anlauf. Zunächst will man uns 35.000 IDR abnehmen.

Das Spektakel zieht Menschen aus den umliegenden Dörfern an. Es wird gewettet und mitgefiebert. Kinder sitzen in den Wipfeln der umliegenden Bäume und betrachten das Geschehen von oben. Die Kämpfer selbst stammen ebenfalls aus dem Publikum, da sich jeder auf einen Kampf einlassen kann. Ich halte mich jedoch wegen der bevorstehenden Wanderung zurück. Außerdem wird mir bis zum Ende nicht ganz klar, auf welche Weise die Sieger in den nur wenige Minuten dauernden Kämpfen ermittelt werden.

Nun steht uns die letzte Nacht vor unserem großen Aufstieg zum Gipfel des Rinjani auf ca. 3700 Metern bevor. Wir haben eine dreitägige Tour mit zwei Übernachtungen im Zelt gebucht und werden uns in dieser Zeit zunächst zum Vulkankrater begeben und dort nächtigen. Danach steigen wir 3:00 morgens auf den Gipfel auf um von da aus den Sonnenaufgang zu beobachten. Unser Weg führt uns dann wieder hinab zum Kratersee, wo wir in heißen Quellen baden werden und schlussendlich unsere zweite Nacht verbringen. Am dritten Tag geht es dann gemütlich wieder bergab.

Gunung Rinjani

26. September 2016 — Tag 1

Noch in der gestrigen Nacht erhielten wir Besuch von unserem Berg-Guide Andhy. Er war vorbei gekommen, um sich vorzustellen und letzte Planungsfragen für den folgenden Tag zu klären.Andhy ist 23 Jahre alt und verdient seinen Lebensunterhalt , wie er erzählt, schon seit einigen Jahren mit der Führung von Wanderungen in die Bergwelt des Vulkans Rinjani.

Nachdem wir wieder einmal viel zu früh aufstehen müssen, steigen wir gesättigt vom Frühstück, in das Auto, welches uns von Senaru nach Sembalun Lawang bringen wird. Die Fahrt führt uns über kurvige und sehr hügelige Straßen. Gott sei Dank können wir uns dieses Mal beide anschnallen. Mit im Wagen sitzen Emiline und Johann, ein französisches Paar, welches mit uns zusammen die Tour bewältigen wird.

In Sembalun Lawang angekommen müssen wir uns zunächst für den Eintritt in den Nationalpark registrieren. Hierfür tragen wir unsere Namen, Adressen, Geburtsdaten und Passnummern in ein ausliegendes Buch ein. Normalerweise wären jetzt auch (soweit ich mich erinnere) 150.000 IDR (ca. 10€) für den Zutritt fällig. Diese wurden jedoch durch unseren Reiseveranstalter bereits bezahlt. Wir erhalten ein rotes Plastekärtchen, was neben einer Art Lizenz auch den Hinweis enthält, nicht die Natur zu verschmutzen.

Nun geht es also los. Der dreitägige Fußmarsch zum Gipfel des Rinjani und in den Krater hinein beginnt um 8:30. Der Weg ist zunächst eben und steht einem gut ausgetretenem Wanderweg in der Sächsischen Schweiz in nichts nach. Auf den Weiden am Wegesrand grasen Kühe. Andhy geht voraus. Abgesehen von uns sind noch unzählige andere Gruppen auf dem Weg hinauf.

Jede Gruppe besitzt ihren eigenen Guide und eine gewisse Anzahl an Portern. Guide und Porter sind Pflicht um den Nationalpark zu betreten. Porter haben die Aufgabe all jenen Kram auf den Berg zu schleppen, welcher uns das Überleben und Wohlergehen in der Wildnis sichert, jedoch für Normalsterbliche zu schwer ist, um ihn in solch großen Mengen auch nur auf ebener Strecke zu tragen. Dazu gehören z.B. ein kompletter Wasservorrat, Nahrung, Zelte, Kochutensilien, Schlafsäcke und Matratzen. Alles in allem trägt jeder Porter zwischen 35 und 50 kg.

Hierfür benutzen sie keine Rucksäcke, sondern ein einfaches Tragesystem, welches aus zwei großen Körben besteht, welche an den Enden einer Stange befestigt sind und auf einer Schulter liegend getragen wird. Unserer Gruppe gehören vier von ihnen an. Wir sind somit neun Personen — Guide Andhy, Lê und ich, das französische Paar und die Porter.

rinjani-trekking-map

Schnell ändert sich das Gelände. Es wird steiler, sodass sich das vorankommen anfühlt, als würde man über längere Zeit eine gewundene Treppe mit unangenehm hohen und unregelmäßigen Stufen hinaufsteigen. Anstrengende Abschnitte wechseln sich mit flacheren ab. Die erste Herausforderung ist der Anstieg vor Pos I. Hier geht es sehr steil nach oben. Ein Vorgeschmack, auf das was vor uns liegt.

Die erste große Rast an Pos I kommt uns daher wie eine Belohnung vor. Die Porter breiten eine Decke für uns aus und haben sogar Campingstühle für jeden von uns dabei. Fast ein bisschen zu viel des Guten. Während wir uns erholen, beginnen die Porter bereits zu kochen. Nach einiger Zeit wird Nasi Goreng serviert. Dafür dass es in Campingmanier zubereitet wurde, schmeckt alles außerordentlich lecker. Wir essen hungrig auf. Glücklicherweise ist die Menge reichlich. Denn was nun folgt übersteigt das, was ich erwartet habe.

Unser Weg führt uns Schritt für Schritt immer näher an eine Bergkette heran. Je weiter wir kommen, desto mehr haben wir das Gefühl direkt gegen eine Mauer zu laufen, welche allerdings der Weg nach oben ist. Wege sind kaum noch vorhanden. Wir nutzen die Wurzeln der Bäume als Stufen, krallen uns an Steinen fest und steigen immer tiefer in den Berg herein. Ich schwitze, wie ich noch nie in meinem Leben geschwitzt habe. Es fühlt sich an, als wäre nie genug Luft zum Atmen vorhanden und der Weg nimmt kein Ende. An Pos II und Pos III rasten wir nur kurz denn der Abend naht. In der Nähe des Kraterrandes angekommen zieht dichter Nebel auf. Es wird merklich kälter. Dennoch steigen wir weiter in kurzer Kleidung auf. Alles trieft vor Schweiß.

Als wir endlich am Kraterrand (Rim II) ankommen, ist es 16:45. Bei starkem Nebel sehen wir nichts von der uns versprochenen tollen Aussicht und verziehen uns erst einmal ins Zelt. Liegen tut unheimlich gut. Die Crew bereitet für uns Abendessen vor, Curry mit Hühnerschenkel. Wieder sehr schmackhaft. Ich lasse den Schenkel liegen, Lê greift hungrig zu.

Gegen 20:00, zwei Stunden nach Dunkelheitseinbruch ziehen wir unser Zelt zu. Für heute reicht es. Wir sind fertig. Morgen 3:00 soll es hoch zum Gipfel gehen.

27. September 2016 — Tag 2

Die sowieso schon kurze Nacht vor der Gipfelbesteigung verläuft unruhig. Die Hühnerkeule vom Abend war anscheinend nicht mehr genießbar und so quält sich Lê durch die Nacht. Letztlich entscheiden wir beim Weckruf unserer Crew, dass wir nach dem harten Aufstieg und einer schlaflosen Nacht leider auf die Erklimmung verzichten müssen, um uns noch ein wenig Ruhe für den strapaziösen Tag zu gönnen.

Da gegen 6:00 die Sonne aus dem Meer auftaucht und es sehr schnell hell wird, ist wenig später nicht mehr an Schlaf zu denken. Der Nebel vom Vorabend ist verschwunden und so sehen wir zum ersten Mal, wo wir uns eigentlich befinden. Der Blick ist auch von hier grandios. Richtung Osten stürzen die Hänge des Rinjani hinab in immer grüner werdende Ebenen, auf denen sich kleine Dörfer befinden. Das Land mündet in die Südsee. Nebenan erkennen wir die Nachbarinsel Sumbawa. Westlich von uns befindet sich der Krater des Rinjani, in welchem sich der Kratersee Danau Segara Anak erstreckt. In der Mitte dieses Sees befindet sich der kleinere dampfende Vulkan Gunung Baru. Während Rinjani selbst zuletzt 2010 ausbrach, ist Gunung Baru weitaus unruhiger und zuletzt ca. vier Wochen vor unserer Ankunft ausgebrochen.

Während wir auf Andhy, Johann und Emeline warten, die sich noch auf Gipfelwanderung befinden, beobachten wir die Versuche der hier lebenden Makaken unsere heißbegehrten Leckereien zu stehlen. Gegen 8:00 ist unsere Gruppe wieder vollständig. Es gibt Frühstück, Banana Pancake, was sonst? Besonders Lê isst verhalten. Nichtsdestotrotz steht uns nun der Abstieg zum Kratersee bevor. Es geht 600 Meter bergab. Schmale, steinige, steile, unwegsame Serpentinen schlängeln sich den Berg entlang. Nach der Hälfte der Strecke wünsche ich mir, endlich wieder bergauf laufen zu dürfen. Meine Oberschenkel glühen, die Fußsohlen schmerzen. Der Weg jedoch nimmt gnadenlos kein Ende.

Nach knapp drei Stunden sind wir am Kratersee angekommen. Leider ist hier die Umweltverschmutzung noch weiter fortgeschritten als auf dem Rest des bisherigen Weges. Das Ufer gleicht einer einzigen Müllhalde. Von Bioabfällen über zurückgelassenes Schuhwerk, alte Zelte und Unmengen an Plastikmüll ist alles dabei. Man kann nur hoffen, dass hier bald eingegriffen wird.

indonesien-20160927-125522_9270657-2Unweit des Sees entspringen heiße Quellen dem Vulkangestein. Die Zeit vor dem Mittagessen nutzen wir daher um uns den Schmutz und Schweiß der letzten anderthalb Tage abzuspülen. Das Wasser hat die Temperatur einer frisch eingelassenen Badewanne. Es ist herrlich. Selbst der Wasserfall fühlt sich wie eine heiße Dusche an.

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Nach dem Mittag machen wir uns auf den Weg zu unserem Nachtlager RIM I. Wir gehen das Ufer des Kratersees entlang und lassen das Wasser auf unserer linken Seite. Nach kurzer Zeit kehren wir dem See und Gunung Baru den Rücken zu und begeben uns in das angrenzende Waldstück um den Aufstieg zu beginnen. Andhy erzählt, wie er den letzten kleinen Ausbruch des Gunung Baru live erlebt hat.

Mein erstes Foto der Eruption während einer kurzen Verschnaufpause
Mein erstes Foto der Eruption während einer kurzen Verschnaufpause

Plötzlich knallt es. Eine Böllerexplosion wie an Silvester, denke ich, nur weitaus heftiger. Ich spüre eine Druckwelle von hinten, wie bei einem starken Donnerschlag während eines Gewitters. Wir alle drehen uns um. Über dem Gunung Baru steht eine tief schwarze, pilzförmige Wolke. Sie hat schon jetzt die drei- oder vierfache Höhe des Vulkans selbst erreicht und wächst schnell weiter. Der Schreck sitzt uns allen in den Gliedern. Andhy schreit „go, go, go“. Darauf springen wir förmlich in den Berg. Wir klettern so schnell es eben geht. Schnell gewinnen wir an Höhe. Doch die Luft reicht nicht aus. Irgendwann kann ich nicht mehr. Wir müssen kurz pausieren. Erstaunt stellen wir fest, dass wir schon einiges an Höhe gewonnen haben. Für mich war das sicher Bestzeit. Ich greife nach meiner Kamera und mache ein Foto durch die Bäume.

Inzwischen habe ich den Gedanken, dass das, was gerade passiert ist, durchaus lebensbedrohlich werden kann, schon abgelegt. Aus niedrigeren Höhen hinter uns schallen Jubelgeräusche (vermutlich aus dem Munde der Guides und Porter) und angstvolle Rufe in verschiedensten Sprachen (die Touristen).

Wir steigen weiter den Berg hinauf. Je höher wir kommen, umso sicherer fühlen wir uns. Der Ausblick auf dieses wahnsinnige Naturereignis wird immer grandioser.

Als wir nach mehreren Stunden kräftezehrenden Aufstiegs RIM I erreichen, steht fest, dass der Wind ungünstig  steht. Er droht die ausgespiene Vulkanasche über den Kraterrand in das Nachtlager zu tragen. Daher entscheiden wir uns trotz schmerzender Muskeln bis zur ersten Abstiegsstation weiterzugehen. Der Weg ist eine Qual. Zunächst kraxeln wir über Felsen, die wir ja eigentlich eben erst überwunden zu haben schienen, wieder herab. Dann verwandelt sich der Untergrund in Geröll und Kies. Er ist durchzogen von Adern, welche das Wasser aus früheren Regengüssen hinterlassen hat. Jederzeit kann man ausrutschen oder umknicken. Es geht steil bergab. Nicht stolpern, nicht rutschen, das ist das Wichtigste.

Zumindest Lê und ich sind bei der Ankunft im Nachtlager auf Pos I bei 2000m mental wie körperlich völlig am Ende. Die Dämmerung ist längst eingebrochen, als wir beginnen unsere Schlafsäcke auszupacken. Die hereinbrechende Dunkelheit enthüllt kontinuierlich mehr des wundervollsten Sternenhimmels, den ich bisher gesehen habe. Hier stört keine einzige Glühbirne das Licht der abermillionen Sterne. Die Milchstraße ist mit bloßen Auge erkennbar. Trotz klammer Kälte und schwindender Kraft nehme ich ein Foto des Sternenhimmels auf. Danach gibt es Abendessen, zu dem Bier gereicht wird. Da Lê Schlaf braucht, verziehe ich mich mit Johann und Bier zum Zelt von Andhy und der Porter. Wir reden über das Leben der Sasak, über seinen Job als Guide, über seine Träume und über seine Frau, die in den nächsten Wochen ihr erstes gemeinsames Kind erwartet. Es macht mich nachdenklich wie unterschiedlich unsere Welten sind und wie gut es mir geht.

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28. September 2016 — Tag 3

Wir erwachen kurz nach Sonnenaufgang. Vor uns steht nur noch der Abstieg. Da wir den ersten Posten bereits am vergangenen Abend bewältigt haben, ist der Weg auch nicht mehr ganz so weit. Er führt uns nach kurzer Zeit weg vom Geröll und Kies hinein in den Dschungel. Das Gefälle hier ist meist mäßig und kompliziertere Abschnitte werden dadurch erleichtert, dass die riesigen Bäume ihre Wurzeln als Stufen bereithalten.

Wir machen zwei größere Stopps. Der letzte befindet sich eine Stunde vom Ausgang des Nationalparks entfernt. Wir haben es fast geschafft. Es gibt Spaghetti Bolognese. Der Geschmack einer nicht-indonesischen Speise tut erstaunlich gut. Da wir uns nicht weit entfernt der Zivilisation befinden, lebt an unserem Rastplatz ein Rudel streunender Hunde. Die Tiere haben das Erbetteln von Nahrungsresten perfektioniert und scheinen sich durch lautes Bellen zu koordinieren.

Nach einer weiteren Stunde Fußmarsch verlassen wir den Dschungel und laufen an Plantagen verschiedener tropischer Früchte entlang. Die Blüten der Kaffeekirschbäume duften süßlich. Außerdem werden Kakao, Bananen, Mangos, Jackfruits, Avocados und Papayas angebaut. Riesiger Bambus reckt sich gen Himmel. Kurz bevor wir die Straße betreten, kontrolliert eine Behörde das Verlassen des Nationalparks. Wir tragen unsere Namen in ein Buch ein. Dann sind wir am Ziel.

Erstaunlicherweise befinden wir uns nur wenige hundert Meter von unserer Unterkunft in Senaru entfernt. Wir hatten überhaupt nicht realisiert, dass direkt oberhalb der Nationalpark begann. Hier erfahren wir auch, dass wegen des Vulkanausbruchs der Park inzwischen gesperrt wurde. Den vielen uns entgegenkommenden Trekkinggruppen wurde das wohl verheimlicht. Illegaler Zugang ist nicht schwer und so ist die rollende Rupiah wohl das einzige was für viele Trekkingagenturen zählt.

Alles in allem war der nun hinter uns liegende Höllentrip eine wirkliche Erfahrung. Er hat Lê und mich an manchen Stellen an die Grenzen des körperlich Machbaren geführt und uns definitiv aus der Südseeurlaubskomfortzone herausgeholt. Die Natur war für mich überwältigend schön. Der Kontakt zur Crew ein wichtiger Einblick in eine andere Gesellschaft mit anderer Kultur und anderer Lebensweise. Dass wir letztlich noch einen Vulkanausbruch erlebt haben, setzt dem ganzen Trip ein i-Tüpfelchen auf. Die Frage, ob ich eine solche dreitägige Tortur noch einmal ohne zu zögern machen würde, kann ich aber mit einem sicheren Nein beantworten.

An der Unterkunft nehmen wir unser eingelagertes Gepäck entgegen und beladen das schon wartende Auto. Es bringt uns in einer dreistündigen Fahrt nach Tetebatu am Südhang des Rinjani. Auf der Fahrt passieren wir viele kleine Dörfer mit überaus prachtvollen Moscheen. Wir sehen viele Plantagen, hauptsächlich Reis, aber z.B. auch Erdbeeren sind dabei. Wir stoppen an einem kleinen Straßenstand und kaufen drei Schalen Erdbeeren für uns und unseren Fahrer (Der übrigens noch in Senaru einen Kumpel ins Auto geladen hat, der die Strecke nach Tetebatu vorgibt zu kennen).

Nachdem wir Tetebatu mit vereinter Kraft und mit Hilfe von Google Maps gefunden haben, beziehen wir unseren Bungalow und genießen eine zwar kalte aber dennoch unglaublich angenehme erste Dusche nach drei Tagen. Die nächsten Tage werden wir das von großen Reisterrassen umschlossene Dorf erkunden.

Tetebatu

29. September 2016

Songket Tradisi

Noch am gestrigen Abend lernen wir den (nennen wir es) Managing Director von Matra Bungalows kennen. Heri ist ein völlig abgefahrener, verstrahlt wirkender 25-Jähriger. Er wohnt in einem kleinen Häuschen an der Einfahrt zum Bungalowgelände. Vor seiner Zeit hier hat er seinen Erzählungen nach sechs Jahre auf Gili Trawangan gearbeitet.

Uns wird ein breites Programm an Beschäftigungsmöglichkeiten vorgestellt. Dazu gehören u.a. Führungen zu Reisfeldern, in traditionelle Webereien, Bambuswerkstätten und Wanderungen zu Wasserfällen. Für alle Aktivitäten können wir zudem einen Roller mieten.

Für den heutigen Tag haben wir uns für Webereibesichtigung inkl. Mittagessen und Bambuswerkstattbesuch entschieden. Besonders ersteres trifft sich sehr gut, da ich schon den ganzen Urlaub auf der Suche nach einem Sarong bin. Sarongs sind lange breite Schals, die von den Menschen auf Lombok zu fast allem verwendet werden. Eine unvollständige Liste von Einsatzzwecken ist: Tischdecke, Schal, Strandtuch, Handtuch, Beinkleid, Ganzkörperkleid, Kopfbedeckung, Staubschutz und Bettdecke. Und wo könnte man einen Sarong besser kaufen, als da, wo er produziert wird.

Wir schwingen uns also auf unseren Roller und fahren von Tetebatu nach Pringgasela. Hier befindet sich der Laden Songket Tradisi, welcher durch eine Kooperative geführt wird und den Weberinnen des Dorfes hilft, ihre handgewebten Stoffe zum Beispiel als Sarongs zu verkaufen. Darüberhinaus übernimmt Tradisi die Kosten für Gesundheitsleistungen, wie z.B. Brillen und Augen-OPs bei grauem Star. Letztlich fließt der Gewinn in erheblichem Anteil (95%) zu den Weberinnen zurück. Das finden wir sehr unterstützenswert und daher hier der Link zur Tradisi-Website.

Im Laden werden wir sofort herzlich mit indonesischem all-you-can-eat Mittagessen empfangen. Mit Jackfruit-Curry, Wasserspinat, Tempe, Gado-Gado, Olah-Olah und vielen anderen leckeren Speisen füllen wir unsere Mägen. Nach einen Verdauungskaffee beginnt eine Führung durch die Weberei. Zu unserem Erstaunen wird uns keine Fabrik gezeigt, sondern es geht nach draußen in die Hinterstraßen.

Hier sitzen alte Frauen in ihren traditionellen Webstühlen und fertigen Stoffbahnen. An anderen Orten werden uns weitere Schritte der Produktionskette gezeigt. Weiße Baumwolle wird z.B. in Indigo blau gefärbt um es später zu feinen Fäden zu spinnen. Uns wird gezeigt, wie die komplizierten Muster in die Kämme der Webstühle eingefädelt werden und wie letztlich der Webprozess funktioniert.

Das klingt nach Knochenarbeit und sieht auch danach aus. Für eine Stoffbahn benötigen die Frauen bis zu sieben Wochen. Denn die Arbeit läuft neben den alltäglichen Aufgaben der Frauen im Haushalt und auf den Feldern ab. Und nur durch die Einhaltung dieser Pausen ist es möglich, dass das Weben die Gesundheit der Weberinnen nicht gefährdet.

Wir gehen weiter durch die Hinterstraßen. In kleinen Vorgärten wird für den Eigenbedarf Kaffee geröstet, Kinder spielen auf den Straßen und probieren ihre Englischkenntnisse aus, als sie uns sehen. „Hello, how are you? What’s your name?“ Die Offenheit und das Interesse der Kinder, sowie die Freundlichkeit der Frauen empfinde ich als sehr rührend.

In festlicher KleidungDie Führung dauert weitaus länger als geplant, dennoch vergeht die Zeit wie im Fluge. Als wir zurück in den Laden kommen, schläft unser Guide Heri über drei Stühle erstreckt im Laden. Niemand zwingt uns etwas zu kaufen. Aber ich will jetzt endlich einen Sarong haben. Ruckzuck sind Lê und ich in ein mehr und weniger gut unserem Typ entsprechendes Gewand gehüllt. Fotos werden geschossen.

Danach suche ich mir einen Sarong aus. Meine Wahl fällt auf das im Bild oben rechts neben meinem Kopf hängende Exemplar. Auch Lê schlägt zu. Die Preisverhandlungen sind hart. Wie wir später recherchieren, steigt die Verkäuferin beim Preis ein, wie er auf der Website von Tradisi verlangt wird. Letztlich einigen wir uns auf 2/3 des Einstiegspreises und stellen kurz darauf fest, dass unser Bargeld nicht reicht. Auch der Barkredit von Heri reicht nicht und so geht der Preis für uns nochmal um einige 10.000 IDR nach unten.

Bambuswerkstatt

indonesien-20160929-163334_9290793Nachdem wir uns verabschiedet haben, fahren wir in das Nachbardorf Sikur. Wir stellen unseren Roller vor einem kleinen Laden ab, der Bambusutensilien von dekorativ bis nützlich verkauft. Die Besitzerin des Ladens bittet uns herein und führt uns dann direkt hinter das Geschäft. Hier sitzen die Frauen und Mädchen mehrerer Generationen ihrer Familie und stellen aus groben Bambusscheiten dünnere Bambusstreifen her, welche letztendlich in beliebige Formen geflochten werden.

Wie es sich in einer Mitmachvorführung gehört, dürfen wir versuchen, dünne Streifen vom Bambus zu lösen. Normalerweise übernimmt diese Aufgabe die junge Tochter rechts neben mir. Kann ja nicht so schwer sein… Ich zerbreche drei oder vier Bambusscheite. Mit einem Gefühl der peinlichen Bloßstellung meiner handwerklichen Unfähigkeit und der Sorge, den Frauen ihren Rohstoff zu zerstören gebe ich auf.

Die 32-Jährige Mutter, welche uns im Laden empfangen hat, flechtet uns beiden einen Bambusring und erläutert dann die Herstellung einer kleinen Tragetasche. Als wir später wieder den Laden betreten, serviert sie leckere mit Palmzucker gesüßte Kartoffelchips, nichts Traditionelles sondern einfach nur home-made, wie wir später erfahren. Ich kann nicht aufhören davon zu naschen.

Als wir auch in diesem Geschäft einige Waren ausgesucht haben, geht es wieder ans Verhandeln. Wir bekommen einen hohen Preis genannt und verwickeln uns in ein mit viel Gelächter verbundenes Gefeilsche. Letztlich geht sie kaum mit dem Preis nach unten. Wir nehmen hingegen ein weiteres Schächtelchen hinzu. Unter der Bedingung, dass ich auch die Chips mitnehmen darf, einigen wir uns auf einen Preis. Nachdem wir uns im Nachbardorf mit frischem Bargeld versorgt haben, bezahlen wir unseren vereinbarten Preis und fahren zufrieden zurück zu unserem Bungalow.

30. September 2016

Heri bringt uns dazu heute wieder einmal früh aufzustehen. Er möchte uns den Blick über die Reisfelder im Morgenlicht zeigen. Da die Zeit drängt, schwingen wir uns ohne Frühstück auf den Roller und düsen zum Feld um die Ecke. Nach kurzer Fahrt biegt Heri in einen Feldweg ein, an dessen Ende wir einen schönen Blick über die Reisterrassen haben.

Leider ist die Sonne inzwischen schon zu hoch gestiegen und ihr gleißendes Licht erzeugt in den feinen Details der Reisfelder zu harte Kontraste, als das schöne Fotos entstehen könnten. Das frühe Aufstehen hat sich somit kaum gelohnt.

Nachdem wir wieder zurück an unserm Bungalow sind, gibt es endlich Frühstück und Kaffee. Mit gefüllten Mägen sind wir nun bereit für den zweiten Tagesprogrammpunkt: Wanderung durchs Reisfeld und Wasserfall.

Hier um Tetebatu gibt es wie im ganzen Randgebiet des Rinjanis zahlreiche Wasserfälle. Allein im unmittelbaren Umkreis unseres Standpunktes sollen es fünf sehenswerte sein. Doch zunächst geht es aufs Reisfeld. Die Felder stehen gerade zuhauf zur Ernte bereit. Die Pflanzen der verschieden Reissorten haben vielerorts ihre Höhe erreicht und beginnen langsam gelb zu werden. Kein Wunder also, dass teils große Betriebsamkeit herrscht.

Neben den verschiedenen Reissorten werden auch viele andere Pflanzen angebaut. Heri zeigt uns Felder auf denen Kakao, Chili, Tabak, Spinat, Ananas und Papaya angebaut werden. Die Reisfelder sind durchzogen von schmalen Pfaden, an denen Cassava and Süßkartoffeln wachsen. Diese Früchte sind nicht nicht für den Verkauf gedacht, sondern als Nahrung für die Bauern, welche teils lange Zeit an ihren Feldern ausharren, um sicherzustellen, dass deren Bewässerung funktioniert.

Bei einem kleinen privat geführten Café mit Baruga machen wir Rast. Heri bricht eine Kakaoschote auf und lässt uns die enthaltenen Kerne probieren. Diese sind mit einer dünnen, feuchten Schicht überzogen, die säuerlich schmeckt. Sehr lecker. Nach Kaffee (mit Kakao) geht es nun zum Wasserfall. Nach einem kleinen Abstieg, den wir trotz des noch vorhandenen Rinjanischmerzes gut meistern und einem kleinen Marsch durch einen Bachlauf stehen wir vor einem kleinen Wasserfall. Aus 5 – 10 Metern Höhe stürzt Wasser zu unseren Füßen hinab. Nicht wirklich beeindruckend. Jedoch sind zwei einheimische Jungs vor Ort, die eine kleine Wasser-Action-Einlage vorführen.

Auf dem Rückmarsch beginnt es zu regnen. Da wir keine Schirme dabeihaben, brechen wir kurzerhand Bananenblätter ab, welche ebenfalls einen hervorragenden Regenschutz bieten.

Als wir wieder bei den Bungalows ankommen, müssen wir in einen Ersatzbungalow umziehen, denn wir haben uns zu spontan entschieden, eine weitere Nacht hier zu bleiben. Unser neues Zuhause steht auf vier Beinen und besteht zu erheblichem Anteil aus Bambus. Außer das Schlafzimmer ist alles open air. Bei den herrschenden Temperaturen ist das aber sehr gemütlich.

Als der Regen unwetterartig wird, merken wir, dass eine Hündin unter unserem Bungalow ihre vier noch blinden, neugeborenen Welpen versteckt hat. Das Zwietschen und Wimmern, welches ertönt, sobald die Mama für kurze Zeit verschwindet, ist herzerweichend.

Den restlichen, verregneten Tag verbringen wir mit dem Anschauen von Fotos und der weiteren Reiseplanung.

1. Oktober 2016

Wir haben gestern keinen Flug mehr bekommen. Denn eigentlich sollte es heute nach Bali gehen. So bleiben wir jedoch eine weitere Nacht in Tetebatu. Mit Heri und zwei Niederländerinnen steuern wir einen weiteren Wasserfall an. Dieser ist etwas weiter entfernt, aber dafür mit ca. 30 Metern wesentlich größer. Wie stark der Druck der Wassermassen von oben ist, merken Lê und ich, als wir uns unter den Wasserfall stellen.

Nachdem es am Nachmittag wieder zu regnen beginnt, wiederholen wir das gestrige Programm und faulenzen herrlich auf unserer Veranda.

Morgen geht es dann nach Ubud auf Bali. Der Wecker wird 3:00 die Nacht beenden, denn der Flug geht bereits 6:15.

2. Oktober 2016

Nach einer super kurzen Nacht sitzen wir kurz vor 4:00 im Auto unseres Fahrers und werden zum Flughafen von Lombok gebracht. Wir fliegen mit Garuda Airlines — wenn man so will, die indonesische Lufthansa. Im Vergleich zu allen anderen indonesischen Fluggesellschaften besitzt Garuda seit ausreichend langer Zeit die meisten weltweit anerkannten Sicherheitszertifizierungen. Somit fliegt die*der Europäer*in etwas entspannter.

Im halbstündigen Flug werden Brötchen und Spring Roll serviert, während wir die herrliche Aussicht aus niedriger Flughöhe genießen. Am Horizont verabschieden sich die drei Gilis. Wir überfliegen die Inseln Nusa Penida und Lembongan und sehen viele Yachten und Segelbote die Küsten verlassen.

Am Flughafen von Bali werden wir von Made abgeholt. Er leitet die Villa, welche unsere nächste Unterkunft darstellt. Sie befindet sich (wieder) umgeben von Reisfeldern am Rande der zentral-balinesischen Stadt Ubud. Wir buchen das beste der Appartement der Villa. Wir wohnen in der Dach-Etage mit 270° Balkon und herrlichem Blick auf Reisfelder.

Müde von der Anreise fallen wir am Mittag sofort in tiefen Schlaf und erwachen erst 16:00 wieder.  Zum Sonnenuntergang fahren wir mit unserem Roller, den wir uns als Inklusivleistung erhandelt haben, nach Petulu.

Reiher im Anflug auf Petulu

Hier haben zahllose kokokan (Reiher) ihr zu Hause. Tagsüber befinden sie sich an verschiedenen Orten Balis von wo sie jedoch kurz vor Sonnenuntergang in die Bäume von Petulu zurückkehren. Die Vögel sind den Einwohnern heilig. Die Gründe dafür variieren von Quelle zu Quelle. Eine Erklärung findet sich in der Erinnerungskultur an ein anti-kommunistisches Massaker Mitte der 60er Jahre, dem in der Region um Petulu viele Menschen zum Opfer fielen. Man erzählt sich, die ersten Reiher seien wenige Tage nach der Beisetzung der Getöteten aufgetaucht.

3. Oktober 2016

Schon am Vorabend haben wir Frühstück für den Morgen bestellt. Uns stehen vier Hauptgerichte zur Wahl: Pancake, Omelette, Nasi Goreng und Mie Goreng. Das Frühstück wird zur gewünschten Zeit aufs Zimmer serviert… Room Service. Wir lassen es uns schon ganz schön gut gehen.

Gegen Mittag sind wir aufbruchsbereit und fahren ins Zentrum von Ubud. Hier herrscht starker, wilder Verkehr und es sind definitiv zu viele Motorräder und Autos für die schmale Hauptstraße unterwegs. Nahe der Touristeninformation, die unser erstes Ziel ist, befindet sich der Ubud Palace. Dieser ist auch heute noch Sitz eines Teiles der ehemaligen Herrscherfamilie. Außerdem sind hier ein Ahnentempel und eine Bühne für Tanzaufführungen beherbergt. Für Besucher ist nur ein Teil des Palasts zugänglich. Verschlossene Tore oder auffällige Hinweisschilder schützen die privaten Bereiche vor den Touristenhorden.

Unser nächstes Ziel ist der Hauptmarkt von Ubud, welcher auf der anderen Straßenseite liegt. Der Markt ist nicht als Marktplatz angelegt, wie man es aus deutschen Städten kennt, sondern erstreckt sich über mehrere Etagen eines Gebäudes, das von seiner Architektur einem offenen Parkhaus ähnelt. Verkauft werden (zumindest um Uhrzeiten, an denen Tourist*innen unterwegs sind) Unmassen an T-Shirts, Kleidern und Hosen, die Hindu-Gottheiten, Batikmuster oder beides zusammen zeigen. Jeder Stand bietet mehr oder weniger die gleichen Produkte an. Viele Händler*innen sind relativ aufdringlich und versuchen uns mit aller Hartnäckigkeit in ihre kleinen Ladenverschläge zu bewegen.

Schließlich kaufe ich ein Tanktop, was eine gängige Abbildung des Göttersohns Ganesha zeigt. Mehr Touri geht eigentlich fast nicht, aber immerhin findet sich kein „Bali“-Schriftzug. Inzwischen hat es begonnen monsunartig zu regnen. Ungefähr 90 Minuten lang scheint der Himmel alle Schleusen geöffnet zu haben. Im Außenbereich des Marktes haben die Händler*innen daher noch mehr bunte Schirme aufgespannt, um ihre Waren zu schützen.

Als der Regen kurz nachlässt, gehen wir essen und spazieren im Anschluss durch eine andere Straße, in der vorrangig Skulpturen, Gemälde und andere Kunstwerke verkauft werden. Ubud ist aus Tradition heraus die balinesische Stadt des Kunsthandwerks. Selbst in kleinen Hinterhof-Tempeln wird Kunst verkauft. Die meisten ausgestellten und angepriesenen Gemälde sind, zumindest für das ungeschulte Auge, keine Kunstdrucke sondern Originale.

4. Oktober 2016

Heute haben wir volles Programm. Auf unserer Liste stehen die Tempel Pura Gunung Kawi Sebatu, Pura Tirta Empul und Gunung Kawi Tampaksiring.

Pura Gunung Kawi Sebatu

Pura Gunung Kawi Sebatu liegt eine halbe Stunde von Ubud entfernt. Als wir in das grüne Tal, hinabfahren, in dem die Tempelanlage liegt, zieht der Himmel bereits zu. Bevor wir den Tempel betreten, verhüllen wir unsere Beine, indem wir unsere Sarongs umlegen. Gut, dass uns Heri in Tetebatu einige Falttechniken gezeigt hat. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite winken und rufen Händlerinnen, die hoffen, uns einen weiteren Sarong oder irgendetwas verkaufen zu können. Wir bleiben cool.

Hinter dem Tempeleingang befindet sich ein großer Teich in dem fette Kois schwimmen. Ansonsten ist die Anlage nicht sehr beeindruckend. Inzwischen ist aus anfänglichem Nieselregen wieder Tropenregen geworden, welcher uns in Ermangelung eines Schirms oder eines Regencapes unter das Dach eines Tempelgebäudes zwingt. Wir verbringen hier eine knappe halbe Stunde bevor wir eine kurze Regenpause nutzen, um zu unserem Roller zu huschen. Unsere Helme sind mit Regenwasser vollgesogen und das Wetter wirkt weiterhin instabil…

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite winken die Händlerinnen. Nun halten sie keine Sarongs in die Höhe, sondern Regencapes aus Plastik. Wir müssen wohl doch noch ins Geschäft kommen. Missmutig müssen drei oder vier der Damen akzeptieren, dass wir nur bei einer von ihnen kaufen wollen. Der Einstiegspreis für zwei Regencapes, welche die Qualität besserer Mülltüten aufweisen, ist irrsinnig hoch. Nach einigem Hin und Her drohen wir gar nichts zu kaufen und machen auf der Schwelle der Händlerin kehrt. Das zieht. Für 25.000 IDR (ca. 1,70 Euro) kommen wir zu unserem Regenschutz. Den haben wir jetzt bitternötig, denn es regnet wieder aus Eimern.

Ein paar hundert Meter die Straße hoch finden wir ein Touristenrestaurant mit Blick auf Reisfelder und akzeptablen Tripadvisor-Bewertungen. Wir kehren ein und bestellen zwei Menüs. Das Essen ist mittelmäßig und haut keinen von uns vom Hocker. Satt sind wir aber allemal.

Pura Tirta Empul

Um unseren ersten Stopp am Nachmittag zu erreichen, benötigen wir 15 Minuten Fahrt. Der Parkplatz von Pura Tirta Empul weckt in uns Befürchtungen, dass hier ganz großer Tourismus Rummel betrieben wird. Und tatsächlich werden hier Reisebus-Ladungen an Touristen abgeladen. Da die Tempelanlage allerdings recht groß und weitläufig ist, wirkt es nur selten überfüllt.

Abgesehen von den Touristen herrscht auch unter den vielen anwesenden Gläubigen rege Geschäftigkeit. Eine Zeremonie befindet sich in der Vorbereitung. Während Frauen im Kochbereich des Tempels Speisen zubereiten, reinigen Männer von Moos bewachsene Wasserbecken und bauen aus Bambus neue Gebäude. Andere Gläubige bereiten Opfergaben vor. Immer wieder weht uns der Duft von Räucherstäbchen um die Nase.

Gunung Kawi Tampaksiring

Die Tempelanlage von Gunung Kawi Tampaksiring beherbergt die Königs- und Königinnengräber einer ehemaligen Herrscherdynastie über deren Identität sich Historiker noch streiten. Als wir ankommen, stehen wir vor einer Treppe, deren über 300 Stufen in ein Dschungeltal hinabführen. Wir gehen über eine Reisterrasse und stehen wenig später vor den Königsgräbern. Wie auch die Königinnengräber auf der anderen Seite des kleinen Flusses, der sich hier durch den Dschungel schlängelt, sind diese in den Fels geschlagene Reliefs, welche die Fassade von Tempeln darstellen. Einer Sage nach hat ein Riese aus der hinduistischen Mythologie die Kerben, in denen sich die Reliefs befinden, mit seinem Daumennagel in den Fels gekratzt.

Nachdem wir uns umgesehen haben, steigen wir einen Teil der Stufen wieder hinauf und biegen in einen alternativen Weg durch das Reisfeld ein. Dieser führt uns zu einer weiteren, abgelegenen Tempelanlage. Umringt von hohen Bäumen, Lianen und Fels befinden sich hier weiter in den Fels geschlagene „Mönchsklausen“, in denen vor Jahrhunderten betende und meditierende Mönche Unterschlupf finden konnten.

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Die Foto-Community 500px und ich https://blog.sebwarnke.de/die-foto-community-500px-und-ich/ https://blog.sebwarnke.de/die-foto-community-500px-und-ich/#comments Thu, 22 May 2014 16:00:37 +0000 https://blog.sebwarnke.de/?p=1214 Was ist 500px?

500px — sprich five-hundred pixels, Fünfhundert Pixels — ist eine auf professionelle und semiprofessionelle Fotografie ausgelegte, englischsprachige Plattform. Registrierte Nutzer, die ich von nun an User nenne, können hier ihre Fotos hochladen und veröffentlichen. Neben dem Foto an sich besteht die Möglichkeit weitere (Meta-) Informationen anzugeben. Dazu zählen Titel, Beschreibung, Geotags, Stichworte (Tags) und die Einordnung in eine der vorgegebenen Kategorien, wie z.B. City & Architecture, Travel, Nature, People, Black and White, usw.

Lizenzen

Die hochgeladenen Bilder können mit verschiedenen Lizenzen versehen werden, welche die Weitergabe- und Verwendungsrechte durch Dritte sowie durch 500px selbst regeln. Im Vergleich zu Plattformen wie z.B. Facebook, welche sich die Verwendung jeglicher in ihren Diensten bereitgestellten Daten vorbehalten, bleiben hier alle Rechte standardmäßig beim User. Dafür wird die sogenannte 500px-Lizenz angeboten. Diese ist vergleichbar mit dem gängigen Copyright-Vermerk All rights reserved. Damit verbleiben alle Verwertungsrechte beim User. Wer seine Fotos mit einer liberaleren Lizenz versehen möchte, hat die Möglichkeit eine der zahlreichen Creative Commons Lizenzen zu nutzen.

Der Pulse

Das Alleinstellungsmerkmal von 500px ist der sog. Pulse, ein (im übertragenden Sinne) seismographischer Messwert, der die Stärke des Bebens, welches ein Foto in der Community verursacht, misst. Ein hoher Pulse symbolisiert, dass ein Foto den Geschmack des Publikums getroffen hat und führt durch die übliche dem Pulse nach sortierte Publikation der Fotos zu noch mehr Aufmerksamkeit. Doch was ist ein hoher Pulse und wie erreiche ich ihn?

Generell erstreckt sich die Pulse-Skala von 0.0 bis 100.0, wobei 100.0 der maximal erreichbare Wert ist und 0.0 einem noch Foto zugeordnet ist, das noch überhaupt keine oder sehr lang keine Beachtung gefunden hat. Wie genau der Pulse berechnet wird, ist Geschäftsgeheimnis und somit bleiben nur Mutmaßungen. Da der Pulse die Aufmerksamkeit misst, wirken sich ohne Zweifel (die 500px-eigenen) Likes und Favorites positiv aus. Favorites stellen dabei eine verstärkte Form des Likes dar. Ein fremdes Foto als Favorite zu markieren, bedeutet, dass es dauerhaft dem „Album“ favorisierter Aufnahmen hinzugefügt wird, welches jeder User als Bestandteil seines Profils besitzt. Somit bleibt ein Favoritenfoto dauerhaft (mehr oder weniger) prominent platziert, wohingegen ein Like, wie auch bei Facebook, nur ein kurzzeitiges Erscheinen im Flow, dem persönlichen Newsfeed von Usern, bewirkt. Weiterhin spielt die Zeitspanne innerhalb derer ein gewisser Betrag an Aufmerksamkeit, also Likes und Favorites, generiert wurde, eine wichtige Rolle. Widmen sich 100 User im Verlaufe einer Minute dem Foto, so wird dies einen weitaus höheren Pulse zur Folge haben, als wenn die gleiche Anzahl User nach erst einer Stunde erreicht ist.

500px stellt zudem drei Views bereit, in denen Fotos entsprechend der Höhe ihres Pulse eingeordnet werden. Diese Views könnte man auch als Ligen beschreiben. Je höher der Pulse, umso höher auch die Liga. Jedes Foto kommt zu Beginn in die View Fresh, in der sich ausschließlich die aktuellsten Aufnahmen befinden. Erreicht ein Foto während es „fresh ist“ einen Pulse größer 70, wird es in der View Upcoming gelistet. Fresh und Upcoming sind chronlogisch nach dem Zeitpunkt des Fotouploads geordnet. Sobald der Pulse eines Fotos größer 80 ist, befindet es sich in der Popular-View. Diese ist nun nach absteigendem Pulse sortiert. Jene Fotos mit dem höchsten Pulse befinden sich auf der ersten Seite und werden sehr prominent auf der Startseite der Foto-Community platziert. Mit der Zeit sinkt gemeinsam mit dem abnehmenden Interesse auch der Pulse eines Fotos.

Preisgestaltung

Natürlich gibt es das Ganze nicht zwangsläufig kostenlos. Allerdings bietet 500px einen Gratis-Account an, welcher dem User schon eine ganze Menge an Möglichkeiten einräumt. Die Spanne reicht von der Gestaltung eines individuellen Profils, über den Upload einer auf 20 begrenzten Zahl von Fotos pro Woche, bis hin zu der Teilnahme an den genannten Interaktionsmöglichkeiten (Likes, Favorites, Kommentare). Des Weiteren dürfen generell veröffentlichte Fotos zum Kauf angeboten werden. Darüber hinaus gibt es zwei kostenpflichtige Premium-Account-Modelle, welche mit weiteren Funktionalitäten aufwarten.

Der Plus-Account erweitert den kostenlosen Funktionsumfang um die Möglichkeit Fotos in eigenen Kategorien auf dem persönlichen Profil zu sortieren. Zudem erhält man Zugriff auf Statistiken, welche über die Zählung von Foto-Views hinausgeht. Ein solcher Account kostet gegenwärtig 25 Dollar pro Jahr. Die größte Ausbaustufe eines Accounts heißt Awesome und kostet 75 Dollar pro Jahr. Er erweitert die Möglichkeiten des Plus-Accounts in Richtung Webhosting. So können User mit Awesome-Account ein Personalized Portfolio anlegen und eine eigene 500px-Subdomain einrichten. Weitere Informationen zu den verschiedenen Accounts finden sich auf der 500px-Website.

500px im Gebrauch

Neben diesem Blog benutze ich nahezu seit Anfang an Facebook, um meine Fotos und Beiträge zu propagieren. Allerdings stellte ich immer wieder fest, dass Fotos und Meldungen dort sehr schnell im digitalen Moloch unzähliger Facebook-Beiträge verschwinden. Selbst treue Follower übersehen des Öfteren meine Beiträge. Das macht mich unzufrieden. Gegen diesen typischen Lebenszyklus einer Facebook-Meldung wirkt das 500px-Konzept wie ein Segen. Zudem tummeln sich hier Leute mit Affinität zur Fotografie, was bei Facebook ebenfalls nicht zwangsläufig der Fall ist. Die Hoffnung, meine Fotos einem größeren Publikum präsentieren zu können und die Erwartung einigen hilfreichen Feedbacks waren die Hauptgründe für meine Anmeldung. Ich nutze meinen Account kostenlos, da ich zum einen eh nicht mehr als 20 Foto pro Woche produzieren könnte und zum anderen kein Interesse an 500px-Webhosting habe. Schließlich kann ich das selbst ;). Erweiterte Statistiken und die Möglichkeit zur Sortierung meiner Fotos sind reizvoll, aber in meinen Augen keine 20 Dollar im Jahr wert.

Nachdem ich mich angemeldet hatte, war mein Profil schnell erstellt. Zur Vollständigkeit wird neben einigen Informationen über den User und seine Fotografie noch Profil- und Coverfoto benötigt. Gut, dass ich beides zur Hand hatte. Der erste Fotoupload geht locker von der Hand. 500px versucht im Anschluss aus den hochgeladenen Fotos weitestgehend alle Metainformationen auszulesen, was die Veröffentlichung noch ein wenig beschleunigt. Nicht erkannte Informationen lassen sich einfach im Nachhinein hinzufügen. Ist die Fleißarbeit dann erledigt, wird das Bild veröffentlicht und für alle 500px-User sichtbar.

Und siehe da, meine Fotos erlangen innerhalb von wenigen Minuten mehr Aufmerksamkeit, als sie es bei Facebook über Tage nicht erreicht hätten. Augenscheinlich arbeitet der Pulse-Algorithmus gut und zeigt meine Fotos vielen Usern. Schnell ist auch der Pulse-Wert selbst in unerwarteten Höhen. Upcoming, Popular, ruckzuck.

Der Erfolg freut den Fotografen und ermutigt ihn weitere Bilder zu zeigen. Als ich schon glaubte, dass jedes Bild einschlägt, kommt die erste Ernüchterung. Anscheinend ist es  — oh Wunder – doch nicht so.  Das holt die Füße auf den Boden zurück und richtet den Blick wieder darauf, was 500px sein sollte, nämlich kein Fotolager aller halbwegs getroffenen Aufnahmen, sondern eine Galerie der gelungensten Aufnahmen, welche Lust auf mehr machen. Und für mehr gibt es dann meinen Blog.

Kritisches

Ist also alles Sahne? Der Erfolg einiger Fotos suggeriert, dass ich wirklich hervorragend außergewöhnliche Aufnahmen geschossen habe. Betrachtet man jedoch alles mit ein wenig Abstand fällt auf, dass einige Aufnahmen von immer dem selben Kreis an Usern Likes, Favorites und Standardkommentare (á la „Amazing capture!“ und „Beautiful shot“) bekommen. Meinen die es wirklich erst? Wohl nicht! 500px ist im Endeffekt auch nur ein soziales Netzwerk, in dem es häufig weniger um das Sehen als viel mehr um das Gesehenwerden geht. Selbst viele Retortenkommentare abzugeben und zig Fotos zu bewerten, verspricht einen erhöhten Bekanntheitsgrad und höhere Reichweite der eigenen Bilder. (Hatte ich erwähnt, dass Fotos auch verkauft werden können? Wo Geld ist, muss auch Werbung sein.) Das ist schade, aber wohl nicht zu vermeiden. Ich hatte mir anfänglich mehr konstruktives Feedback erhofft.

Ein weiterer kritischer Aspekt ist der typische 500px-Look. Knackige Kontraste, apokalyptisch dramatische Himmel, HDR bis der letzte Grashalm das Monitorpanel zerkratzen kann, das sind Fotos, die Tausende User auf den Plan rufen. Ob das immer ein absolutes Qualitätsmerkmal ist, finde ich stark zweifelhaft. Subtilere Aufnahmen, mehr inhaltliche Aussage, weniger Drama, haben häufig kaum eine Chance, die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zu erhalten. Das heißt, entweder den Look bedienen oder darüber freuen, dass (nur) einige Wenige, die bereit sind, sich auf ein Foto einzulassen, dessen wahre Qualität erkannt haben.

Fazit

500px ist bisher meine einzige Foto-Community. Daher fällt ein vergleichendes Fazit schwer. Weil es allerdings schon genügend Arbeit macht, Blog, Facebook, Twitter, Vimeo und 500px zu pflegen, wird es wohl auch die einzige bleiben. Irgendwann möchte man ja auch mal fotografieren (oder schlafen).

Dennoch gefällt mir die Community sehr gut. Der Pulse ist ein super Messwert für die Massentauglichkeit eines Fotos, wenn auch weniger ein Indiz für dessen Qualität. Trotzdem zeigt sich, dass die Zugriffe auf Fotos in meinem Blog, die auf 500px populär waren, gestiegen sind, stellenweise signifikant. Des Weiteren hält dieser Effekt länger an als bei Facebook und Twitter zusammen.

Was mir weiterhin fehlt sind die ehrlichen Nutzer. Jene, die Like klicken, weil das Foto gut ist und nicht weil sie ihren Namen auf möglichst jeder Seite des Dienstes sehen möchten. Ich bin daher dazu übergegangen selbst Fotos von andere Fotografen kritisch zu bewerten und zu kommentieren. Der Effekt waren mehrere angeregte Diskussionen. Es gibt sie also doch, die wirklich interessierten User neben mir! Ich habe ja noch gar nicht erwähnt, dass User auch Follower anderer User werden können. Jedenfalls habe ich auf diesem Weg (wenn bisher auch nur wenige) Follower gefunden, von denen ich weiß, dass sie das ein oder andere Foto auch angeschaut haben, bevor sie es bewerteten.

Inzwischen habe ich die Belieferung von 500px etwas reduziert. Somit hab ich mehr Raum zu entscheiden, welche Fotos ich zeigen möchte. Schließlich sollen diese ja meine Art zu fotografieren am besten wiedergeben. Und wenn ich dann noch etwas Anerkennung dafür erhalte, dann ist das schön und 500px hat sich für mich gelohnt.

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